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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Sexualität und Homosexualität

Wo liegt der Unterschied?
12. September 2018
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"Als liberaler Mensch finde ich einfach, dass die Homosexualität mit „normaler“ Sexualität gleichgestellt werden sollte. Wenn es so wäre, hätten wir viele Probleme nicht." So reagierte kürzlich ein offensichtlich intelligenter Mann auf einen Leserbrief in unserer Zeitung. Diese Meinung verbreitet sich heute immer mehr. Doch immer mehr denke ich, dass das Problem meist viel zu oberflächlich angegangen wird, dass man eigentlich nur dann gültige Antworten findet, wenn man tiefer geht.

Zuerst einmal geht es doch um die Frage, aus unserer christlichen Sicht wozu die Sexualität von Gott, dem Schöpfer geschaffen wurde, oder dann, aus einer rein materiellen Optik, wozu sich in der Evolution überhaupt eine Sexualität entwickeln konnte. Von welcher Sicht her wir auch kommen, dass ein Sinn hinter dieser Entwicklung liegt, dürfte unbestritten sein. Sonst hätte sich das nicht so lange halten können. Dieser Sinn liegt ganz klar in der Arterhaltung. Ich bin nicht Biologe, aber soviel ich weiss ist diese Sexualität bei allen höheren Lebewesen bipolar, d.h. zweigeschlechtlich aufgebaut. Eine andere Frage ist, weshalb diese Sexualität mit Lust verbunden ist. Dass es irgendetwas in dieser Welt gibt, dessen einziger Zweck die Lustbefriedigung ist, habe ich bisher noch nie gehört. Der entscheidende Zweck der Lust in der Sexualität ist also nicht die Lustbefriedigung. Sie dient hier wohl primär dazu, dass es überhaupt in genügendem Mass zur Fortpflanzung und damit zur Arterhaltung kommt.

Aus solchen Überlegungen heraus sagt das Christentum seit Anbeginn, dass jeder sexuelle Akt, welcher den eigentlichen Zweck der Sexualität, die Arterhaltung, grundsätzlich ausschliesst, nicht dem Willen des Schöpfers entspricht. Handlungen aber, welche dem Willen Gottes nicht entsprechen, bezeichnet es als Sünde. Dass dabei immer die Unterscheidung zwischen dem Tatbestand an sich und der Schuld des Täters zu machen ist, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Dem ist es aber leider längst nicht immer so. Daraus entstehen dann Verurteilungen von Menschen, ohne dass man den Einzelfall mit allen relevanten Details kennt. "Gott hasst die Sünde, aber liebt den Sünder" ist eine jener Formulierungen, welche versuchen uns diese Unterscheidung immer wieder bewusst zu machen. Ein anderes Problem dabei ist dann die Tatsache, dass die Kirche sich (immer noch) verpflichtet fühlt den Tatbestand der Sünde eine Sünde zu nennen, worauf sich dann viele Menschen persönlich angegriffen fühlen, obwohl es zuerst einmal um den Grundsatz geht.

Der grosse Fehler der Kirche schon seit längerer Zeit ist es, dass sie die Sünden- und Erlösungstheologie sträflich vernachlässigt und zwar sowohl in der theologischen Forschung wie in der Verkündigung. Neu ist, dass es heute theologische Richtungen gibt, welche die Sünde meist zwar (noch) nicht ganz leugnen, aber doch einfach ausklammern. Doch das ist eine ganz andere Frage. Wer aber weiss denn heute noch, dass nicht nur die Homosexualität gemäss der Lehre der Kirche eine Sünde ist, sondern jeder Geschlechtsakt ausserhalb der Ehe, deren erster und entscheidender Zweck genauso die Arterhaltung (und die "Aufzucht" des Nachwuchses) ist wie die Sexualität selbst. Die Forderung der Enthaltsamkeit ausserhalb der Ehe trifft also alle Menschen, welche (noch) nicht oder nicht mehr verheiratet sind, gleichgültig aus welchem Grund auch immer.

Ein weiterer Fehler liegt auch darin, dass der hohe Wert der Selbstbeherrschung heute aus dem Bewusstsein des Menschen geschwunden ist. Die Frage der sexuellen Selbstbeherrschung ist nur eine unter vielen. Die Beherrschung im Umgang mit Alkohol etc. gehört ins gleiche Kapitel. Und doch gibt es in jedem Menschenleben immer wieder Situationen, wo Selbstbeherrschung der entscheidende Erfolgsfaktor ist. Heute werden Neigungen und Triebe eindeutig überbewertet. Beim Tier sind sie zwar entscheidend. Ob dies auch beim Menschen so sein sollte, das wage ich zu bezweifeln. Neigungen und Triebe haben dem Menschen zu dienen. Der vernunftbegabte Mensch aber sollte sich nicht von ihnen beherrschen lassen, zumal er im Innersten weiss, dass solche sowohl gut wie schlecht sein können, je nachdem, wie man damit umgeht.

Aus diesen Überlegungen ergibt sich für mich, dass Homosexualität und "normale" Sexualität nicht gleichgestellt werden können. Der Unterschied im tiefen Sinn und Zweck sind zu gross. Ich weiss aber auch, dass diese Ausführungen für viele Menschen heute nicht oder nur schwer nachvollziehbar sind. Der Grund dafür dürfte sein, dass die meisten heute sich die grundlegende Frage nicht mehr stellen: "Wozu sind wir auf Erden?" und/oder der Frage ausweichen: "Was oder wer ist Gott?"

Ich habe hier versucht, auf diesen äusserst komplexe Fragenkreis aus meiner laienhaften Sicht und ohne Anspruch auf Vollständigkeit und/oder Wissenschaftlichkeit, kurz und verständlich zu antworten. Deshalb fehlen denn wohl auch viele Aspekte, welche ebenso wichtig wären. Nehmen wir nur die Frage, weshalb das Geschöpf Mensch überhaupt die Möglichkeit hat, sich über den Willen seines Schöpfers hinweg zu setzen. Und über jeden dieser Aspekte liessen sich Bücher schreiben (und wurden auch schon geschrieben, z.B. die "Theologie des Leibes von Papst Johannes Paul II.) Ich hoffe einfach, dass möglichst viele, insbesondere Christen, sich selber Gedanken machen und nicht einfach all das nachplappern, was der Mainstream uns einreden will.



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