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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Der Sinn des Lebens

Wozu sind wir auf Erden
15. Juli 2018
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Wenn wir uns die Katechismusfrage stellen: "Wozu sind wir auf Erden?" dann sind das eigentlich zwei. Da ist einmal die naheliegendste; wozu bin ich auf Erden. Doch um uns dabei nicht in unendliche Diskussionen zu verwickeln, müssen wir zuerst die zweite beantworten; wozu sind wir, wozu ist der Mensch auf Erden.

Da wir uns hier auf dem Gebiet des Glaubens bewegen, können wir die rein naturwissenschaftliche Frage ausblenden, welche Stelle das Lebewesen Mensch innerhalb der Evolution des ganzen Universums einnimmt, wie es dazu kam, dass sich ein solches Wesen entwickeln und dann behaupten konnte, wozu es innerhalb der ganzen, sehr komplexen Konstellation der materiellen Welt dient, welchen Sinn seine Existenz überhaupt macht. Der Glaube sagt uns, dass der Mensch Teil des Schöpfungsplanes Gottes ist und dass das, was ihn von allen anderen sichtbaren Wesen dieser Welt unterscheidet, auf einen direkten Eingriff Gottes in den Verlauf der Evolution zurück zu führen ist. Dass die Evolutionslehre auch nur eine, nach dem Stand des menschlichen Wissens allerdings sehr plausible, Arbeitshypothese ist, spielt hier keine Rolle.

Die Frage, die uns hier interessiert ist, welchen Sinn und Zweck Gott, der Schöpfer, seinem Werk ganz allgemein und dem Menschen im Besonderen zugemessen hat. Hier geht es um die Frage nach dem Sinn der menschlichen Existenz aus der Sicht des Schöpfers. Dass Gott einfach einmal zu seinem Privatvergnügen ein solches Universum geschaffen hat, das sich nun nach bestimmten Gesetzen entwickelt um dann irgendwann zurückzukehren in Nichts, aus dem es gekommen ist, ist irgendwie unlogisch. Der Schluss liegt nahe, dass die ganze Schöpfung geschah um ein Wesen zu schaffen das fähig ist, seinen Schöpfer zu erkennen und zu lieben. (vgl. KKK 356) Ebenso logisch scheint dann, dass ein solches Wesen "nach dem Abbild des Schöpfers" (Gen 1,26) sein muss. Und daraus ergibt sich, dass dieses zwar geschaffen, aber in seinem innersten Wesen für ein ewiges Leben bestimmt ist.

Erkennen und lieben zu können sind aus dieser Sicht also die grundlegen menschlichen - weil dem Wesen Gottes am nächsten - Eigenschaften des Menschen. Erkennen in diesem Sinn ist weit mehr als erfahren. Auch die Tiere erfahren. Erkennen aber heisst mehr als die materiellen Dinge und Vorgänge wahrnehmen zu können. Der Gipfel dieser Fähigkeit ist es, Gott zu erkennen und seine Offenbarung an uns wahrnehmen zu können. Die Fähigkeit zu lieben geht dann noch einen Schritt weiter. Lieben heisst, Gott jenen Platz im eigenen Leben zuzugestehen, der ihm gebührt, und zwar aus freiem Willen, aus der bewussten Annahme der Offenbarung heraus. Und da der Mensch zu erkennen vermag, dass Gott sein ihn liebender Schöpfer ist, welcher ihn in jeder Beziehung, also auch intelligenzmässig, übersteigt, wird er sich bemühen, den Willen dieses Schöpfers zu erfüllen. "Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten." formuliert der Lieblingsjünger des Herrn. (Joh 14,15).

Sehr schön formuliert der Katechismus der Katholischen Kirche diese ganze Glaubenswahrheit in KKK 356-358:

"Von allen sichtbaren Geschöpfen ist einzig der Mensch ,,fähig, seinen Schöpfer zu erkennen und zu lieben" (GS 12,3); er ist ,,auf Erden das einzige Geschöpf ... das Gott um seiner selbst willen gewollt hat" (GS 24,3); er allein ist berufen, in Erkenntnis und Liebe am Leben Gottes teilzuhaben. Auf dieses Ziel hin ist er geschaffen worden, und das ist der Hauptgrund für seine Würde. Weil er nach dem Bilde Gottes geschaffen ist, hat der Mensch die Würde, Person zu sein; er ist nicht bloß etwas, sondern jemand. Er ist imstande, sich zu erkennen, über sich Herr zu sein, sich in Freiheit hinzugeben und in Gemeinschaft mit anderen Personen zu treten, und er ist aus Gnade zu einem Bund mit seinem Schöpfer berufen, um diesem eine Antwort des Glaubens und der Liebe zu geben, die niemand anderer an seiner Stelle geben kann. Gott hat alles für den Menschen erschaffen‘, aber der Mensch selbst ist erschaffen worden, um Gott zu dienen, ihn zu lieben und ihm die ganze Schöpfung darzubringen."

Damit wären wir nun bei der ersten Frage angelangt: Was bedeutet dies für mein persönliches Leben, wozu bin ich auf Erden? Dies hier auch nur grob darlegen zu wollen, würde den gegebenen Rahmen sprengen. Zusammenfassend würde ich einfach sagen, jeder einzelnen Mensch ist auf Erden um in eine freie persönliche Liebesbeziehung zu Gott, seinem Schöpfer, zu treten und so einst zu jener ewigen Liebesziehung zu ihm zu gelangen, welche dem Schöpferplan Gottes mit jedem von uns Menschen entspricht.



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