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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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So nicht!

Aufarbeitung der Kirchenkrise
27 . August  2018
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Die "Aufarbeitung" der heutigen Kirchenkrise in einer Predigt hat bei mir zu folgendem Mail an den Verantwortlichen geführt:

Sehr geehrter Herr … Um der Predigt unserer Laientheologin auszuweichen habe ich heute die Heilige Messe bei Ihnen besucht. Ich befürchtete nämlich, diese würde die aufgeflogenen Skandale in unserer Kirche dazu benutzen um ihre persönlichen Probleme mit der «bösen Amtskirche» an die Frau zu bringen. Dabei geriet ich aber in des Teufels Küche - um einen Ausdruck aufzunehmen, den Ihr Prediger verwendete. Dieser ging sogar so weit zu behaupten, die zuständigen kirchlichen Stellen für die Lektionarien hätten das heutige Tagesevangelium bewusst zensuriert, um die teuflischen Machenschaften ihrer hoch- und höchstrangigen Amtsträger besser vertuschen zu können. Auf diese ungeheuerliche Unterstellung möchte ich hier nicht weiter eingehen.

Voll zustimmen möchte ich hingegen der Schlussfolgerung des Predigers, dass man das Wort Gottes nicht kürzen, zensurieren, aus dem Zusammenhang reissen oder sonst wie entstellen darf. Doch dessen hätte zuerst er sich selber bewusst sein müssen, als er die Verleugnung des Petrus auf die gleiche Ebene mit dem Verrat des Judas stellte und zum Beweis das Wort Christi zitierte: «Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen!» (Mt 16,23) Dass dieses Wort in einem ganz anderen Zusammenhang gesprochen wurde, nämlich als Petrus Christus daran hindern wollte «sich aus freiem Willen dem Leiden zu unterwerfen» um «sein Volk aus seinen Sünden zu erlösen», das hätte er eigentlich wissen müssen. Und zudem hätte zum richtigen Verständnis dieser Stelle auch der anschliessende Satz zitiert werden müssen: «Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.»

Ist nicht gerade das eine der wesentlichen Ursachen all unserer Skandale, wenn nicht der Skandal schlechthin, dass unsere Kirche, (aus Feigheit und Angst um die Kirchensteuereinnahmen?), nicht mehr das predigt, was Gott will, sondern das, was die Menschen hören wollen? Hätte nicht sehr viel von der heutigen Katastrophe verhindert werden könnte, wenn immer klar und unmissverständlich gelehrt worden wäre, dass gemäss dem Schöpferwillen Gottes der sexuelle Akt in die Ehe gehört und sonst nirgendwohin, dass zum Beispiel die ausgelebte Homosexualität für Gott ein Gräuel ist, eine Todsünde (wobei natürlich die übrigen Bedingungen dafür auch erfüllt sein müssen). Macht sie nicht schon lange nicht mehr das, was Christus gemäss dem heutigen Evangelium getan hat, nämlich mit «Worten des ewigen Lebens» zu den Menschen zu kommen und dabei auch den ganzen Ernst der letzten Dinge darzulegen? Ist sie nicht auf dem besten Weg Gott auf seine Liebe zu reduzieren, um nicht zu sagen aus ihm einen gutmütigen, schon leicht senilen Öhi zu machen, und dabei seine Gerechtigkeit so zu verharmlosen, so dass jeder sich sagen kann: «Lasst uns essen und trinken und Sex machen. Für Reue und Umkehr ist dann im letzten Augenblick noch Zeit genug»? Und wenn Sie noch ein Zitat unseres Heiligen Vaters brauchen: «Wenn wir ohne das Kreuz gehen, wenn wir ohne das Kreuz aufbauen und Christus ohne Kreuz bekennen, sind wir nicht Jünger des Herrn: Wir sind weltlich, wir sind Bischöfe, Priester, Kardinäle, Päpste, aber nicht Jünger des Herrn.»

Entschuldigen Sie bitte diese harten Worte. Aber so langsam habe ich genug von all den heuchlerischen Empörungen und Entschuldigungen, welche – hoffentlich ganz unbewusst – nur dazu dienen, das Problem nicht an der Wurzel anpacken und endlich wieder die Mahnung des Völkerapostels beherzigen zu müssen: «Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht; weise zurecht, tadle, ermahne, in unermüdlicher und geduldiger Belehrung.»

Gelobt sei Jesus Christus, unser Herr und Heiland.


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