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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Das Sonntagsgebot

und der Gewissensentscheid


31. Januar 2017

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Die moderne Auffassung über den Gewissensentscheid ist keine Erfindung unseres Heiligen Vaters. So wie ich mich erinnere, begann sie schon kurz nach dem Konzil Wurzeln zu schlagen und zwar in der Frage des Sonntagsgebotes. Währen vorher das Gebot allgemein anerkannt und Ausnahmen streng geregelt waren, führte die Rede von der Mündigkeit der Laien zur Auffassung, jeder könne in seinem Gewissen entscheiden, ob ein gültiger Grund für ein Fernbleiben vorliege oder nicht. Daraus verbreitete sich dann schnell die Meinung, das Gebot sei eine reine Empfehlung, jeder sei frei, dieses einzuhalten oder nicht. Dass dann das Gebot ganz in Vergessenheit ging, war nur die logische Folge.

Dann kam eine Zeit, in welcher ein Beichtvater meiner Verlobten erklärte, ob wir Geschlechtsverkehr hätten oder nicht, das müssten wir in unserem Gewissen entscheiden. Entscheidend sei die Liebe und der feste Wille zu heiraten. Zum Glück ging sie dank ihrer Erziehung nicht darauf ein. Wenig später war dann generell der Sex vor der Ehe nur noch eine Gewissensfrage. Dann folgten das Zusammenleben schon in der Verlobungszeit und schlussendlich die „wilde Ehe“, wie sie damals genannt wurde. Heute sind wir bereits bei der Forderung nach einem Recht auf Sex.

Der nächste Schritt kam bei den Verhütungsmitteln. Auch ihr Einsatz war zuerst Gewissensentscheid. Bald aber fragte niemand mehr nach dem Gewissen. Heute ist ihr Einsatz sogar in engagiert kirchlichen Kreisen eine Selbstverständlichkeit.

Ähnlich lief es in der Frage der Abtreibung. Zuerst wurde der freie Gewissensentscheid der Frau propagiert. Heute ist sie oft der Wille der Mannes und/oder der Umgebung, um es einmal überspitzt auszudrücken.

Dass unter diesen Umständen auch die Scheidung zum Gewissensentscheid des Einzelnen wurde, war nichts als logisch. Dann folgte, gestützt auf das Recht auf Sex, der Gewissensentscheid für eine neue Ehe, auch wenn die vorherige noch gültig war. Dass nun heute die Forderung nach Zutritt zu den Sakramenten ebenfalls mit dem Gewissen begründet wird, verwundert überhaupt nicht.

Noch einiges liesse sich anführen. Die Frage aber, welche sich unsere Kirche stellen muss, ist wohl, ob diese Entwicklung Gottes Willen entspricht, oder ob sie nicht die Pflicht hätte, ihr mit allen verfügbaren Mitteln entgegen zu treten.


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