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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Die grenzenlose Barmherzigkeit Gottes

Vom Sünder und der Sünde

19. November 2016

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Als kürzlich wieder einmal einer eine Breitseite gegen die bösen Kapitalisten und Umweltzerstörer abfeuerte, da stellte sich mir plötzlich die Frage, ob denn diese Menschen nicht den gleichen „Anspruch“ auf Gottes Barmherzigkeit – und damit natürlich auch auf meine - hätten, wie andere Kategorien von Sündern, denen heute so oft so viel Verständnis und Barmherzigkeit entgegengebracht wird. Die gleiche Frage stellt sich dann natürlich auch bei den Pädophilen, den Terroristen und anderen Verbrechern. Unterscheidet Gottes Barmherzigkeit wirklich zwischen den Sündern je nach Art der Sünde? Und wie steht es um mich selber? Um welche Art von Sünden handelt es sich dann bei meinen eigenen (die ich hier verständlicherweise nicht namentlich aufzählen möchte)? Kann ich trotz allem mit Gottes Barmherzigkeit rechnen oder werde ich einst hören müssen: „Weg von mir, du Verfluchter, …“? (vgl. Mt 25,41)

„Darum sage ich euch: Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben werden, aber die Lästerung gegen den Geist wird nicht vergeben.“ (Mt 12,31) Ich glaube, in dieser Schriftstelle liegt ein entscheidender Schlüssel zum besseren Verständnis der Barmherzigkeit Gottes. Was Gott hindert, oder genauer gesagt womit wir Gott hindern, uns Barmherzigkeit zu erweisen, ist die Lästerung gegen den Geist. In unserem Zusammenhang sind zwei Arten solcher Lästerung zu erwähnen, die Leugnung der Sünde und die Leugnung der persönlichen Schuld. Die grosse Versuchung heute ist es, die Sünde auf die persönliche Schuld zu reduzieren. Dabei spürt jeder vernünftige Mensch, dass all unsere Taten und Worte, ja selbst unsere Gedanken Einfluss haben, nicht nur auf uns selbst, sondern auch auf unsere Umgebung, ja die ganze Welt. Dieser Einfluss kann gut, weniger gut, aber auch schlecht, ja böse, sein. Einen schlechten Einfluss auf unsere Umgebung zu nehmen, das ist Sünde, unabhängig davon, ob dies bewusst geschieht oder nicht, ob ein böser Wille dahinter steckt oder ob es vielleicht sogar gut gemeint war. Die Leugnung Sünde an sich ist so gesehen eine Weiterführung der Erbsünde, jenes selber wissen, selber entscheiden zu wollen, was gut und was böse ist, und damit eine Lästerung des Heiligen Geistes, der uns in Gottes Willen einführen will.

Die andere grosse Versuchung heute die Leugnung der persönlichen Schuld. Auch dies ist eine Folge der Erbschuld. Wo wir selber entscheiden wollen, was gut ist und was nicht, gibt es keine persönliche Schuld, solange es „für mich stimmt“. Schuld aber entsteht überall, wo andere zu kurz kommen. Damit es aber auch für alle anderen stimmt, dazu braucht es die Unterordnung unter Gottes Willen, welche allein eine bessere Welt zu schaffen vermag, und den uns der Geist lehren will. Alles nur auf mich selber zu beziehen, das kann man also ruhig als Lästerung jenes Geistes sehen, der nur das Beste für alle will. Das führt dazu, hinter den Weisungen und Geboten Gottes reine Schikanen zu sehen, statt sie dankbar als Erweis seiner Liebe zu uns allen anzunehmen.

Gott kennt unsere Schwächen und Fehler und verzeiht gerne. Das zu beweisen ist Christus am Kreuz für uns gestorben. Wir aber haben die Möglichkeit, uns seiner Barmherzigkeit zu verweigern, indem entweder die Sünde an sich leugnen oder unsere persönliche Schuld, oder gar beides. Wo es aber nichts zu verzeihen gibt, da kann selbst Gott nicht verzeihen.


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