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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Sünde und Sünder

Gerechtigkeit und Barmherzigkeit
31. Oktober 2017

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In meiner Jugendzeit predigte unser Herr Pfarrer gerne: „Gott liebt den Sünder. Aber er hasst die Sünde.“ Und nicht nur er, auch die „Höllenprediger“ der Volksmissionen wurden nicht müde, diese These zu vertreten. Wenn wir heute in die Verkündigung hinein hören, so kommt der erste Teil dieser Aussage in verschiedenen Varianten oft vor. Dann aber folgen meist Verharmlosungen und Entschuldigungen der Sünde, welche die glaubensmässig nicht mehr besonders gut gebildeten Gläubigen von heute gerne einmal verstehen als: „Gott versteht alles, Gott verzeiht alles.“ Schlussendlich gibt es dann gar keine Sünden mehr, nur noch Fehler, Schwächen und Versagen.

Doch Halt! Es gibt auch heute noch Sünden, welche die moderne Theologie – wenn nicht direkt, so doch indirekt – als unverzeihlich, sozusagen als Todsünden verkündet. Da sind die Sünden der Kapitalisten, der Ausbeuter und Unterdrücker der Armen. Dann kommen die Sünden der Umweltzerstörer und der Kriegshetzer oder gar Kriegführenden, und nicht zu vergessen all die „Drohbotschaften“, welche den Menschen hindern wollen, seine selbstzerstörerische „Selbstverwirklichung“ zu „geniessen“.

Wir sehen, ohne Sünde geht es nicht. Die Frage ist nur, wer bestimmt, was Sünde ist und was nicht. Früher war das Gott. Heute will der Mensch dies selber entscheiden. Damit er dies kann, veranstaltet er eine grosse Verwirrung zwischen Sünde und Schuld, zwischen dem Tatbestand an sich und der Verantwortung des Täters im Einzelfall. Da lob ich mir die Weisheit der Alten: „Gott liebt den Sünder. Aber er hasst die Sünde.“ Gott liebt den Sünder. Er versteht und verzeiht. „Barmherzig ist er allen, die ihm in Ehrfurcht nahn.“, wie wir im Kirchenlied singen. Aber Gott hasst die Sünde. Er verharmlost nicht. Er nennt die Sünde eine Sünde und sagt klar und deutlich: „Du sollt …, Du sollst nicht …“ Er setzt uns Grenzen zu unserem eigenen Wohl und dem Heil der ganzen Schöpfung. Und er urteilt gerecht. Er schafft mir Recht gegen meine Feinde, aber auch Recht meinem Feind, wo ich ihm gegenüber gesündigt habe. Dabei ist und bleibt seine Gerechtigkeit barmherzig. Seine Allmacht ist unendlich. So kann er schlussendlich auch „Gnade vor Recht“ walten lassen, wo ihm dies als gerechtfertigt erscheint, und das ist dort, wo der Mensch umkehrt zu ihm und bekennt: „Vater, ich habe gesündigt!“ In diesem Glauben, in diesem Vertrauen, sind wir dann auch bereit, die Konsequenzen unserer Sünden zu tragen, wo Gott uns diese zumutet.


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