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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Um was es geht

eine neue Kirche
17. Juni 2020
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Nach einem Leserbrief in unserer Zeitung, in welchem ich die Aussagen unseres Bischofs betreffend der Zukunft unserer Kirche angegriffen hatte, erhielt ich einen Brief einer besorgten Person, welche mir mangelnde Ehrfurcht, ja eine unchristliche Haltung vorwarf. Ich habe ihr geantwortet:

Herzlichen Dank für Ihre Reaktion auf meinen Leserbrief. Auf der einen Seite verstehe ich Ihren Ärger gut. Mein Text war nicht gerade zimperlich. Auf der anderen Seite aber glaube ich, dass Sie – wie viele andere Katholiken auch – nicht verstanden haben, um was es in der ganzen Frage überhaupt geht. Die Leserbriefredaktion der az-medien bringt es auf den Punkt, wenn sie gross als Titel schreibt: «Das Bistum Basel entfernt sich immer mehr von der römisch-katholischen Kirche.»

Selbstverständlich, niemand muss mit dieser Kirche, ihrer Lehre und Moral einverstanden sein. Das ist seine persönliche Verantwortung vor Gott. Wenn aber jemand als oberster Verantwortlicher für die Reinheit der Lehre in einem Bistum auftritt und bei seiner Weihe ein öffentliches und feierliches Treueversprechen zu dieser Kirche und ihrer Lehre abgelegt hat, dann können die einfachen Gläubigen doch erwarten, dass sie vom ihm die Lehre dieser Kirche, die ganze, unverfälschte Lehre, verkündet erhalten, dass sie von ihm nicht zu einem ganz anderen Glauben ge(ver)führt werden. In unserem Fall ist dies der von mir im Leserbrief erwähnte «moralistisch-therapeutische Deismus», welcher meines Erachtens noch weit gefährlichere ist als der Corona-Virus und bereits auch unsere Kirche massiv infiziert hat, ohne dass unsere Hirten reagieren.

Es würde zu weit führen, hier auf die Details einzugehen. Ich hatte schon vorher mindestens einmal den Bischof in einem persönlichen Schreiben auf diese brandgefährliche Entwicklung in unserer Kirche aufmerksam gemacht und ihm erklärt, dass die Kirche von heute nicht mehr jene Kirche ist, welcher ich bei meiner Firmung bewusst die Treue versprochen habe. Die Antwort war eine Empfangsbestätigung durch sein Sekretariat, der Rest war Schweigen. Das Interview war mir dann die Bestätigung, dass er bewusst den Weg zu einer neuen, zutiefst anderen Kirche gehen will. Dagegen wehre ich mich.


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