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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Ein ungerechter Gott?

Zum Jahr der Barmherzigkeit

12. Januar 2016

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Als ich vor einiger Zeit einmal mit einem Kollegen auf die heilige Beichte zu sprechen kam, da sagte er mir: „Ihr Katholiken! Ihr könntet einen Menschen umbringen, dann in den Beichtstuhl rennen und alles wäre vergeben und vergessen. Nein, an einen solchen Gott glaube ich nicht.“

An diese Aussage erinnert mich die laufende Diskussion über die Barmherzigkeit Gottes. Gott ist die Liebe. Gott versteht und verzeiht alles und immer. Gott straft nicht und fordert nicht. Gott nimmt alle Menschen auf in sein Reich. Irgendwie ergeht es mir dabei wie diesem Kollegen. An einen solchen Gott glaube ich nicht. Ich glaube an einen barmherzigen Gott. Sicher. Zu dieser Barmherzigkeit Gottes aber, so glaube ich, gehört auch, dass er mir „Recht verschafft gegen meine Feinde“, auf seine Art natürlich, die ich oft nicht verstehe, aber auf die ich vertraue. Dann aber gehört auch dazu, dass er meinem Feind Recht verschafft gegen mich, wenn ich mich gegen ihn versündigt habe, wiederum auf seine Art und absolut gerecht, auch mir gegenüber. Und, Gott fordert von uns auch seine Rechte ein, nicht weil er das nötig hätte, sondern weil unser Leben nur innerhalb seiner Rechtsordnung wahrhaft gelingen kann. Gott ist also auch Gerechtigkeit. Gott umfasst immer beides, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Anders kann ich ihn mir nicht vorstellen. Nur so ist Gott viel grösser als mein Wunschdenken, aber auch als mein Angstdenken. Nur aus einer solchen Sicht werden Glaube und Hoffnung vernünftig, wird unsere Liebe zu ihm, als Antwort auf seine Liebe, überhaupt möglich.



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