Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Einer ordne sich dem andern unter! 

Eph 5,21 - 6,9

 
Ordnung und Unterordnung
 

23. August 2015
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Einer ordne sich dem andern unter in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus. Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn (Christus); denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Kirche ist; er hat sie gerettet, denn sie ist sein Leib. Wie aber die Kirche sich Christus unterordnet, sollen sich die Frauen in allem den Männern unterordnen. Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat, um sie im Wasser und durch das Wort rein und heilig zu machen. So will er die Kirche herrlich vor sich erscheinen lassen, ohne Flecken, Falten oder andere Fehler; heilig soll sie sein und makellos. Darum sind die Männer verpflichtet, ihre Frauen so zu lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst. Keiner hat je seinen eigenen Leib gehasst, sondern er nährt und pflegt ihn, wie auch Christus die Kirche. Denn wir sind Glieder seines Leibes. Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden ein Fleisch sein. Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche. Was euch angeht, so liebe jeder von euch seine Frau wie sich selbst, die Frau aber ehre den Mann.

Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern, wie es vor dem Herrn recht ist. Ehre deinen Vater und deine Mutter: Das ist ein Hauptgebot und ihm folgt die Verheißung: damit es dir gut geht und du lange lebst auf der Erde. Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern erzieht sie in der Zucht und Weisung des Herrn! Ihr Sklaven, gehorcht euren irdischen Herren mit Furcht und Zittern und mit aufrichtigem Herzen, als wäre es Christus. Arbeitet nicht nur, um euch bei den Menschen einzuschmeicheln und ihnen zu gefallen, sondern erfüllt als Sklaven Christi von Herzen den Willen Gottes! Dient freudig, als dientet ihr dem Herrn und nicht den Menschen. Denn ihr wisst, dass jeder, der etwas Gutes tut, es vom Herrn zurückerhalten wird, ob er ein Sklave ist oder ein freier Mann. Ihr Herren, handelt in gleicher Weise gegen eure Sklaven! Droht ihnen nicht! Denn ihr wisst, dass ihr im Himmel einen gemeinsamen Herrn habt. Bei ihm gibt es kein Ansehen der Person.

„Über die christliche Familienordnung“ titelt die Einheitsübersetzung diesen Abschnitt des Epheserbriefes. Ich finde es schade, dass bei uns meist nur der erste Teil vorgelesen wird. Der zweite könnte noch viel zum rechten Verständnis beitragen. Und irgendwie peinlich wirkt es, wenn der Prediger den Eindruck erweckt, als müsse er sich für das, was Paulus im zweiten Satz über die Rolle der Frau in der Ehe sagt, entschuldigen. Dabei steht das das wohl Entscheidendste dieser ganzen Familienordnung schon im allerersten Satz: „Einer ordne sich dem andern unter in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus.“ Für Paulus ist klar: Ohne Ordnung gibt es keine Gemeinschaft. Ordnung in der Familie aber (und auch in der Kirche) gibt es nur in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus. „Du allein bist der Heilige, Du allein der Herr“ singen wir im Gloria. IHM sind wir alle untergeordnet. An dieser Ordnung hat sich jede christliche Ordnung auszurichten. Und „Wer unter euch der Grösste sein will, sei der Diener aller.“ Unterordnung im christlichen Sinn hat absolut nichts mit dem Mehr- oder Minderwert einer Person zu tun. Ob jemand mehr die Funktion des Leitenden oder die Funktion des Ausführenden hat, spielt vor Gott absolut keine Rolle. Beides ist ein Dienst, beide stehen im Dienst Gottes und der Nächsten. Christliche Selbstverwirklichung ist immer nur die Verwirklichung des Willens Gottes mit mir.

Diese Ordnung des Dienstes in der Ehe, wie auch in der Kirche und der ganzen Welt, kann in den verschiedenen Epochen und Kulturen ganz verschiedene Ausprägungen annehmen. Solange sie eine Ordnung des Dienstes bleibt, ist jede vertretbar. Wenn sie aber zu einer Ordnung der Beherrschung wird, ist jede abzulehnen. Und der Unterschied zwischen den beiden liegt in der Liebe. Die Liebe nämlich pocht nicht auf ihr Recht. Die Liebe sucht das Wohl aller. Wo es nicht anders geht, verzichtet sie auf das eigene Recht, damit andere ebenfalls zu ihrem Recht kommen, damit andere nicht leiden. Und, die christliche Liebe tut alles im Blick auf Christus, aus der Beziehung zu Gott heraus.

„Denn ihr wisst, dass ihr im Himmel einen gemeinsamen Herrn habt. Bei ihm gibt es kein Ansehen der Person.“ Dieser abschliessende Satz fasst den ganzen Text zusammen, nimmt die ganze Frage unserer zwischenmenschlichen Beziehungen hinein in die Frage unserer Gottesbeziehung. Im Grunde genommen wissen wir es ja alle. Überall, wo Gottes Wille geschieht, wo sein Plan mit uns verwirklicht wird, entsteht eine bessere Welt. Überall aber, wo der Mensch selber Gott sein, selber herrschen will, da wird der Mensch zum Feind des Menschen. Ordnen wir uns also immer und überall und in jeder Funktion, in die uns Gott gestellt hat, IHM unter. Dann hat jener Aphoristiker Recht, der schrieb: „Wer sich Gott unterwirft, kann von niemandem sonst wirklich unterworfen werden.“

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