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Geistesblitze - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Führe uns nicht in Versuchung

die Vaterunserbitte

21. Juli 2019
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Vor einiger Zeit bewilligte Papst Franziskus die Änderung der Vaterunserbitte «Führe uns nicht in Versuchung» in «Lass uns nicht in Versuchung geraten». In englischer, französischer und italienischer Sprache soll die Änderung kommen. In Deutschland wurde die Änderung abgelehnt, meines Erachtens zu Recht.

Die neue Version mag besser sein. Doch zweitausend Jahren haben sich nicht an der alten Übersetzung gestört. Was sie bedeutete, das wurde uns von Kindesbeinen an erklärt. Und ob eine solche einseitig von uns "verordnete" Änderung des Grundgebetes aller Christen für die Ökumene sinnvoll und nützlich ist, ist nochmals eine andere Frage.

Grundsätzlich aber stellt sich die Frage, in wie weit sich eine Übersetzung vom Originaltext entfernen, in wie weit die (richtige?) Interpretation in die Übersetzung einfliessen darf, und ob dafür nicht die Verkündigung zuständig wäre. In unserem Fall ist dieses Vorgehen vielleicht sogar gut zu begründen. Aber wenn diese Methode Schule macht, so kommt früher oder später der Moment, wo der Priester am Ambo wird sagen müssen: «Evangelium unseres Herrn Jesus Christus, frei nach Johannes.»

Und ein anderer Gedanke: Versuchungen sind für uns Menschen wichtig wie die Zwischenprüfungen in der Schule. Sie zeigen uns wo wir stehen, wo wir uns noch verbessern können und notfalls auch, wo wir ganz ernsthaft zu arbeiten haben. Die neue Formulierung blendet diesen Aspekt aus. Im Endeffekt bitten wir mit diesen Worten Gott, uns von solchen Standortbestimmungen zu dispensieren Er möge sich doch mit der «Abschlussprüfung» zu begnügen. Ob das in unserem Interesse ist? Zum Glück gibt uns Gott nie den Skorpion um den wir bitten, sondern den Fisch, den wir nötig haben.


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