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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Verbrechen

und Sünde
27. September 2018
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Wie oft wird in der ganzen Diskussion um den Missbrauchsskandal nicht das Wort Verbrechen gebraucht, und wie wenig eigentlich das Wort Sünde! Erklärbar ist das nur mit der Verweltlichung unserer Kirche.

Verbrechen ist ein Begriff aus dem Bereich der weltlichen Justiz. Ein Verbrechen ist ein schwerwiegender Verstoss gegen das Gesetz und/oder das natürliche Rechts- und Moralempfinden des Menschen. Verbrechen gehören durch den Richter streng bestraft. Verbrechen sind normalerweise Taten.

Sünde ist immer zuerst ein Verstoss gegen den Willen Gottes, sei es durch den Bruch eines eindeutigen Gebotes und/oder ein Handeln gegen den erkannten Willen Gottes auch dort, wo dieser nicht unbedingt gesetzgeberisch geregelt ist. Sünden gibt es nicht nur in Werken, sondern auch in Worten und Gedanken und durch Unterlassung des Guten.

Soweit sind sich die Begriffe noch irgendwie ähnlich. Der grosse Unterschied aber liegt darin, dass ein Verbrechen "ein rein weltlich Ding" ist, eine Sünde sich dagegen primär gegen Gott richtet. Die Sünde ist die Zurückweisung der väterlich-fürsorgenden Liebe Gottes zu uns Menschen und damit eine Beleidigung seiner unendlichen Grösse und Herrlichkeit. Verbrechen werden durch irdische Strafen gesühnt. Sünden können nur von Gott vergeben werden. Sie werden dies auf Grund seiner Barmherzigkeit, welche uns der Herr durch sein Sühneopfer am Kreuz erworben hat, sofern der Mensch diese Barmherzigkeit nicht ablehnt, sofern er bereut und sich zumindest ehrlich um Umkehr bemüht.

Wenn wir nun zum Missbrauchsskandal zurückkommen, so ist der Begriff Verbrechen sicher angebracht, gibt aber nur die weltliche Sicht der Dinge wieder. Als Christen dürfen, ja müssen wir - nicht nur aber gerade hier - den Begriff Sünde, wenn nicht gar Todsünde, wieder ins Spiel bringen. Natürlich müssen wir uns dabei immer bewusst sein und klar kommunizieren, dass wir damit nur den Tatbestand an sich beurteilen, und dass nur Gott die Schuld des Täters absolut gerecht zu beurteilen vermag. Das gilt für alle Taten, ganz besonders aber für die Vergehen jener, welche in einem besonderen Dienst Gottes stehen. Diese hätten eigentlich die Aufgabe, die Gläubigen vor der Sünde zu warnen und zu bewahren und sie nötigenfalls zurück zu führen zur Barmherzigkeit Gottes, indem sie uns immer und immer wieder mit Paulus zurufen: "Lasst euch mit Gott versöhnen."

Verbrecher kümmern sich meist nicht um Gott. Von uns Christen, und nicht zuletzt vom "Bodenpersonal Gottes" sollte man dies eigentlich erwarten können. Das wäre zudem auch eine sehr wirksame Präventionsmassnahme.


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