Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Euer Lohn im Himmel wird groß sein

  Lk 2,23 / Röm 2,6-8
 
Er wird jedem vergelten


18. April 2020
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Freut euch und jauchzt an jenem Tag; euer Lohn im Himmel wird gross sein. Denn ebenso haben es ihre Väter mit den Propheten gemacht.» (Lk 2,23)

Er wird jedem vergelten, wie es seine Taten verdienen: denen, die beharrlich Gutes tun und Herrlichkeit, Ehre und Unvergänglichkeit erstreben, gibt er ewiges Leben, denen aber, die selbstsüchtig nicht der Wahrheit, sondern der Ungerechtigkeit gehorchen, widerfährt Zorn und Grimm. (Röm 2,6-8)

Die Schweizerischen Bundesbahnen hatte vor einiger Zeit eine Werbung, auf welcher in grossen Lettern stand: «Bezahlen können Sie später!  -  Das hört man gerne!» Irgendein Spassvogel strich dann auf einem Plakat «können» durch und überschrieb es mit «müssen». Irgendwie erinnerte mich das Ganze an die Diskussion über «Gott straft nicht». Ist das nicht auch so ein Satz, den man gerne hört. Aber wie wäre es, wenn Gott hier anfügen würde: «Bezahlen kannst/musst du später?» Beide Schriftstellen, welche mir spontan in den Sinn kamen sprechen eine deutliche Sprache: «Gott wird vergelten!» Und in beiden Stellen wird klar, dass es sich dabei immer um Gerechtigkeit geht. Gott straft nicht nur, er vergilt auch das Gute und umgekehrt.

Dabei dürfen wir nie vergessen, dass Gottes Gerechtigkeit ganz anders ist als unsere menschliche, mathematische. Gott ist ja in seiner Grösse und Herrlichkeit ganz anders als wir, auch wenn wir immer wieder versucht sind, ihn mit unseren Massstäben zu messen. Deshalb ist es so eine Sache, wenn wir in Bezug auf Gott von bestrafen oder belohnen sprechen. Gott ist allwissend. Er allein kann menschliches Tun und Lassen wirkliche gerecht, unter Berücksichtigung und richtiger Wertung aller Umstände beurteilen. Das gilt sowohl im Fall all unseres Versagen, ja all unserer Sünden, wie auch im Fall all unserer guten Werke. Und Gott ist allmächtig. Er kann Gerechtigkeit widerfahren lassen, auch wo er Barmherzigkeit zeigt. Er kann Barmherzigkeit, Gnade vor Recht walten lassen, wo dies aus unserer menschlichen Logik nicht möglich wäre.

Wenn ich zurückblicke auf mein schon relativ langes Leben, so zeigt sich mir deutlich, dass gerade in dieser Frage - aber auch in vielen anderen - der Menschen immer alles selber wissen, verstehen will, auch dort, wo dies seine intellektuellen und anderen Fähigkeiten eindeutig übersteigt, auch dort, wo er einfach glauben müsste. Dabei fällt er dann immer wieder von einem Extrem ins andere. Wo Gott zum Beispiel früher der so grosse, herrliche, unnahbare und gerechte war, dass man Angst vor ihm hätte haben können, so ist er heute der so nahe, barmherzige, alles verstehende und verzeihende, dass man versucht ist in die Gleichgültigkeit ihm gegenüber abzurutschen.

Unsere Vorfahren wussten noch, dass Gott immer grösser und herrlicher ist als alles, was wir über ihn denken und erfahren können, und ganz besonders grösser als all das, was wir über ihn spekulieren. Der Machbarkeitswahn unserer heutigen Zeit verdunkelt dieses Wissen immer mehr, hindert uns immer mehr daran einfach zu glauben an und zu vertrauen auf das, was Gott uns geoffenbart hat. Er hindert uns daran wieder zu «werden wie die Kinder» (vgl. Mt 18,1-5) Das hindert uns dann auch zu verstehen, dass, wenn wir von Strafe Gottes und Lohn im Himmel sprechen, dies richtig und wichtig ist, dass aber diese Strafe weitaus gerechter und dieser Lohn weitaus grösser sind als alles, was wir uns vorstellen können. Wir müssen mit diesen Begriffen leben. Wir haben keine anderen, besseren, um der ganzen Wahrheit dahinter gerecht zu werden. Wir müssen unsere Lehren daraus ziehen, dabei aber immer voll auf unseren lieben Herrgott vertrauen, dass er schon alles richtig machen wird. Wir müssen wieder zu einem kindlichen Glauben zurückkehren und uns nicht durch Theologengezänk verwirren lassen.

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