9


Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

Alle Texte sind im Menu links aufrufbar

Vernetztes Denken

Die grosse Herausforderung heute

07. Dezember 2016

Aphorismen
Gedanken-
splitter

Gedanken-
splitter Archiv

vernachlässigte Aspekte
vernachlässigte Aspekte Archiv
Weihnachts-
geschichten

Spruch der
Woche





 In einem Kaderkurs schon vor vielen Jahren war einmal ein ganzer Tag dem Thema „Vernetztes Denken“ gewidmet. Es geht dabei darum, nicht nur das Problem zu sehen und eine Lösung dafür zu finden, sondern auch die möglichen Folgen dieser Lösung zu bedenken und wenn möglich auch die Folgen dieser Folgen. Dazu ist es oft nötigen sich eingehend mit den Ursachen des Problems auseinander zu setzen, und zwar nicht nur den vordergründigen, sondern auch den tiefer liegenden, meist viel entscheidenderen. Und zudem sollte man immer auch nach den Grenzen fragen, welche den Lösungen durch unumstössliche Fakten gesetzt sind, Naturgesetze und staatliche Vorschriften, menschliche Begrenztheit und Verfügbarkeit der einzusetzenden Mittel.

Wenn wir in die ganze Diskussion um Barmherzigkeit hinein hören – wobei mit Barmherzigkeit hier nicht in erster die Wohltätigkeit gemeint ist, obwohl die Frage auch dort durchaus aktuell sein kann – so müssen wir feststellen, dass es genau dieser Mangel an vernetztem Denken ist, welche die Diskussion so schwierig und Lösungen fast unmöglich macht. Die meisten Teilnehmer gehen zuerst einmal einfach nur das gerade anstehende Problem an. Woher das Problem stammt, ob vielleicht nicht zuerst die Ursachen behoben werden sollten, interessiert sie kaum, ebenso wenig ob nicht noch weitere, ähnlich gelagerte Probleme existieren, welche die gewählte Lösung behindern könnten. Und noch weniger überlegen sie sich bei ihren Vorschlägen, welche Folgen diese über das aktuelle Problem hinaus haben, welche neuen Probleme sie auslösen, an welche Grenzen sie stossen könnten. Auch in der Frage der Realisierbarkeit herrscht oft mehr Wunschdenken als sorgfältige Abklärung.

Vernetztes Denken aber ist meist nur möglich, wenn man die Fragen von einem übergeordneten Standpunkt aus angeht. In der Politik ist das normalerweise das allgemeine Gemeinwohl, wobei dann oft darüber gestritten wird, was dieses nun sei. Im kirchlichen und religiösen Bereich haben wir als übergeordnete Instanz in jedem Fall den Willen Gottes. Wo Gottes Wille geschieht, das geschieht immer das Beste für uns Menschen. Deshalb sollten wir immer, wenn wir uns an eine Frage oder ein Problem heran machen, zuerst das „Vater unsere“ beten mit der Betonung auf: „Dein Wille geschehe.“ Auch so werden sich sicher nicht all unsere Differenzen und Auseinandersetzungen in Minne auflösen. Sie werden aber friedlicher verlaufen und viel eher zum Ziel führen, als wenn jeder von uns selber Gott sein, selber wissen und entscheiden will, was nun richtig und was falsch, was gut und was böse ist.



********


Home
weitere Texte
Archiv
nach oben