Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Wozu diese Verschwendung?

Mk 14,4-9

hätte aber die Liebe nicht

16.05.2014

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Einige aber wurden unwillig und sagten zueinander: Wozu diese Verschwendung? Man hätte das Öl um mehr als dreihundert Denare verkaufen und das Geld den Armen geben können. Und sie machten der Frau heftige Vorwürfe. Jesus aber sagte: Hört auf! Warum lasst ihr sie nicht in Ruhe? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn die Armen habt ihr immer bei euch und ihr könnt ihnen Gutes tun, so oft ihr wollt; mich aber habt ihr nicht immer. Sie hat getan, was sie konnte. Sie hat im voraus meinen Leib für das Begräbnis gesalbt. Amen, ich sage euch: Überall auf der Welt, wo das Evangelium verkündet wird, wird man sich an sie erinnern und erzählen, was sie getan hat.

„Denn die Armen habt ihr immer bei euch.“ Neigen wir nicht oft dazu zu glauben, wir könnten, wenn schon nicht alles Leid, so doch die Armut aus der Welt schaffen? Zwei Wege sehen wir dazu, einerseits selber mit den Armen zu teilen, andererseits Gerechtigkeit zu fordern von den Reichen. Aber, soweit mit den Armen zu teilen, bis wir genauso arm sind wie sie, das ist für uns Normalsterbliche doch etwas viel verlangt. Und eine auch nur einigermassen gerechte Welt zu schaffen, das haben nicht einmal zweitausend Jahre Christentum, auch nicht die Schaffung von christlichen Staaten, ja nicht einmal die Kirche als Institution selbst, fertig gebracht. Die Bibel hat doch Recht. Die Armen werden wir immer bei uns haben. Schon Paulus machte sich da keine Illusionen wenn er sagt: „Im Übrigen soll jeder so leben, wie der Herr es ihm zugemessen, wie Gottes Ruf ihn getroffen hat. Das ist meine Weisung für alle Gemeinden.“ (1.Kor 7,17)

„Jeder soll so leben, wie ihn Gottes Ruf getroffen hat.“ Das heisst natürlich nicht, dass wir uns nicht um Verbesserungen bemühen dürfen, ja müssen, für die anderen zuerst und auch für uns. Paulus selber setzte sich für Onesimus ein. (Phlm 1,8) Das heisst einerseits, das Los anzunehmen, das Gott uns zugemessen hat. Und das heisst andererseits, das Beste aus dem zu machen, was Gott uns gibt. Beides gilt immer zuerst für mich, annehmen, was Gott mir schenkt und damit das zu machen, was Gott von mir erwartet. Wenn wir aber fragen, was Gott von uns erwartet, dann ist es nicht zuerst dieses oder jenes, dann ist sein Gebot ganz klar. „Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben, und deinen Nächsten wie dich selbst!“ Wiederum ist es Paulus der uns lehrt: „ …hätte aber die Liebe nicht, … “(1.Kor 13,3)

Ohne Liebe nützt alles nichts, unser ganzer finanzieller wie zeitlicher Einsatz, und auch nicht unsere Klagen und unsere Forderungen. Ja, wenn wir mit unserem Einsatz Neid schüren und gar Hass, so machen wir alles nur noch schlimmer. Jene Liebe, die Gott von uns erwartet, und die wir dann in die Welt zu tragen haben, macht eine bessere Welt, auch dort, wo wir die Unterschiede nicht zu beseitigen vermögen. Denn diese Liebe schafft Vertrauen, Vertrauen unter einander und ganz besonders Vertrauen in Gott, der weder mich noch irgend einen anderen jemals ungerecht behandelt, ja, der mir und jedem anderen Recht verschafft, auch dort, wo unser menschliches Auge dies nicht zu erkennen vermag. Gott will, dass wir ihm glauben. Gott will, dass wir ihm vertrauen. Nur so kann er uns eine Zufriedenheit und ein Glück schon hier und jetzt schenken, wie es der ganze Reichtum der Welt nicht zu geben vermag. Nur dann kann er, wenn unsere Zelte hier abgebrochen werden, zu uns sagen: „Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!“ (Mt 25,21)


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