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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Wann fängt Fremdgehen an?

Wo beginnt die Sünde?
. August 2019
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Wir hatten vereinbart, uns im Restaurant der Siedlung zu treffen. Wie schon oft war ich zu früh dort. Nun sass ich vor meinem Kaffee und blätterte in der Zeitung. Im Hintergrund lief Radiomusik, immer wieder unterbrochen vom Moderator, welcher die Titel ansagte und dazwischen an unbekannte Personen Quizfragen stellte. Plötzlich hörte ich die Frage: «Wann fängt Fremdgehen an?» Dann folgte eine Telefonnummer, auf welche man seine eigene Meinung zum Besten geben konnte. Bis ich das realisierte hatte, war es zu spät zu antworten. Aber wahrscheinlich wäre ich auch zu faul - um nicht zu sagen zu feige - gewesen um zu antworten. Eigentlich hätte man ja sagen können (müssen?): «In der Schrift steht: Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.» (Mt 5,28)

Ja, wann beginnt das Fremdgehen? Beginnt es nicht sehr oft mit einer «harmlosen Begutachtung» einer anderen Person? Und entwickelt sich das dann nicht schnell zu einem «harmlosen Flirt» zu «harmlosen Bemerkungen und Anzüglichkeiten»? Ist aber dann der Schritt nicht nur noch sehr klein bis zu «harmlosen Berührungen» etc.? Und wie schnell sind dann die Grenzen überschritten? «Wehret den Anfängen!» hiess es in meiner Jugend oft, bei vielerlei Gelegenheiten. Gilt das nicht auch heute noch und ganz besonders hier? Wenn wir es so betrachten, dann hat das «deutliche» Wort des Herrn auch heute noch - oder müsste man sagen mehr denn je - seine Berechtigung.

Übrigens, dies ist nicht der einzige Bereich, in welcher der Herr uns unmissverständlich vor Augen führt, dass «harmlose Sünden» oft gar nicht so harmlos sind, zum Beispiel in Mt 5,22: «Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein; …»  Und wenn wir fragen warum, dann sollten wir an das andere Wort denken: «Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord» (Mk 7,21)

Die Frage ist also nicht, wann das Fremdgehen oder was auch immer beginnt. Die Frage, welche heute viel zu wenig gestellt wird, heisst doch: «Wo beginnt die Sünde?» Sie beginnt in meinem Herzen, vielleicht lange schon bevor es zur Sünde in eigentlichen Sinn kommt. Und das bedeutet, dass wir wieder mehr auf unser Herz, auf unsere innere Einstellung achten müssen, wen wir die Sünde in uns bekämpfen wollen.

Das bedeutet dann auch, dass wir wieder viel mehr die Wichtigkeit unserer Ausrichtung auf Gott verkünden, dass wir wieder Gott und seinen Heiligen Willen ins Zentrum von allem stellen müssen. Das wäre die geforderte Neuevangelisation; die Umkehr von unserem heutigen menschzentrierten zu einem gottzentrierten Denken und Leben.


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