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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Wurde das Wasser in Wein verwandelt?

Die Freude am Glauben
20. August 2019
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Da wagte es eine Pastoralassistentin, in einem Vorbereitungsgottesdienst auf die Firmung, das erste Zeichen, welches Jesus wirkte, die Verwandlung von Wasser in Wein bei der Hochzeit zu Kanaan (Joh 2,1-12), als aus einer heidnischen Legende übernommen darzustellen. Wenn man selber nicht glaubt, dass Christus der Herr in seinem Erdenleben tatsächlich Wunder gewirkt hat, muss man sich eben irgendwelche andere Erklärungen suchen. Dass es am Schluss dieser Erzählung dann heisst: „So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn“ passt zwar absolut nicht zu den Erläuterungen dieser Dame. Aber so gut kennen ja die Firmlinge von heute die Schrift nicht mehr. (Und wir selber?)

Wie dem auch sei. Für den Evangelisten Johannes steht dieses Zeichen, dieses reale Wunder, ganz klar als Beweis der Gottheit Jesu, und als Grund und/oder Bestätigung des Glaubens der Jünger. Wenn nun im gleichen Gottesdienst mehrmals von der Freude am Glauben die Rede war, so wirkte eine solche Erklärung wie ein Hohn. Glaubt diese Dame wirklich bei den Firmlingen (und den anderen anwesenden Gläubigen) Freude an einem Glauben wecken zu können, wenn sie selber nicht mehr weiss, und was sie nun noch als wahr bezeichnen und was sie in den Bereich der Märchen und Legenden verweisen will? Fast zweitausend Jahre hat das Christentum geglaubt, dass der Herr diese Wunder tatsächlich gewirkt hat. Und nicht zuletzt aus dieser Überzeugung schöpfte es Freude und Sicherheit in ihrem Glauben. Und nun soll das alles plötzlich nicht mehr wahr sein?

Warum aber sollte dann diese neue Auslegung der Schrift wahr sein? Wird nicht auch sie eines Tages (und das dürfte nicht nochmals zweitausend Jahre dauern) von noch neueren Erkenntnissen abgelöst werden? Überhaupt, was kann man so von der Bibel noch glauben? Wenn es keine Wunder gibt, warum soll dann Christus Gott sein? Und ist dann nicht auch seine Auferstehung nur ein Wunschtraum der ersten Christen? Kein Wunder wird die Firmung, wie übrigens auch die Taufe und verschiedenes andere mehr, je länger je mehr nur noch als gesellschafteliches Ritual empfunden, als ein Grund für ein Fest. Wenn es dazu Gott als Aufhänger braucht, warum nicht. Aber den kann man nachher wieder in der hintersten Schublage versorgen.

Nein, so kann keine Freude am Glauben aufkommen, schon gar nicht bei jugendlichen, kritischen Firmlingen. So zerstört man auch das wenige, das heute vom christlichen Glauben in unseren Gemeinden noch vorhanden ist. „Werde ich noch Glauben vorfinden, wenn ich wiederkomme?“ (Lk 18,8) fragt Christus. Ist es vielleicht bald soweit, oder können wir das Steuer noch herum reissen?


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