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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Eine lustige Weihnachtsgeschichte

Gedanken zu Weihnachten
06. Dezember 2019
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In unserer Seniorensiedlung feierte der «Freitagsclub» einen Samichlausabend mit Madarinli, Nüssli, Guezli etc. und schliesslich einer feinen Kürbissuppe. Dabei wurden auch Geschichten vorgelesen, eine vom «Verirrten Samichlaus», geschrieben von einem Clubmitglied, die andere aus einem Buch mit Weihnachtsgeschichten, deren Titel und Autor - wenn ich mich richtig erinnere eines Pfarrers - ich vergessen habe. Letztere erntete reichlichen Applaus. Die allermeisten fanden sie sehr lustig. Dass sie eigentlich eine bitterböse Satire gegen unseren Umgang mit Weihnachten heute war, das fiel nach meinen Beobachtungen sozusagen niemandem auf.

Ja, dass Weihnachten nicht einfach lustig ist, ein mehr oder weniger erbauliches Event im Jahreskreis, dass es dabei um mehr geht als einfach «Friede, Freude, Honigkuchen», dass es auch nicht einfach nur eine verdammte gesellschaftliche Pflicht, insbesondere gegenüber all den «lieben» Verwandten und Bekannten, und eventuell auch Kunden ist, das ist heute den wenigsten Menschen, sogar jenen, welche sich Gläubige nennen, noch wirklich bewusst. Der Kommerz und die Vergnügungsindustrie haben längst die Herrschaft über dieses Fest an sich gerissen.

Weihnachten heute beginnt schon lange vor dem Advent. Tausende von Lichter werden entzündet. Dutzende von Weihnachtsfeiern und Essen werden veranstaltet. Und wenn dann der Heilige Abend mit seinem stressigen Programm vorbei ist, und sich die Gäste des Heiligen Tages endlich verabschiedet haben, die gute Stube aufgeräumt und gelüftet ist, und in der Küche nur noch der Geschirrspüler läuft, dann ist so mancher und manche froh, dass es für ein Jahr vorbei ist, dass man die Lichter löschen und die Weihnachtsmusik abdrehen kann.

Dass Weihnachten mit der Heiligen Nacht eigentlich erst beginnt, dass es eigentlich diese Nacht ist, in welcher das Licht aufgehen und nicht umgekehrt schon wieder abgelöscht werden sollte, daran denken vielleicht noch die Erzkonservativen. Dass die Geburt Christi eigentlich eine sehr ernste Geschichte ist, eine hoffnungsvolle sicher, aber keine lustige, das realisieren wir oft nicht einmal mehr dann, wenn der ganze Rummel rund um das Fest uns schon fast den letzten Nerv gekostet hat. Und doch; «O du fröhliche, o du selige» ist auch dann noch mehr als ein Anflug von Nostalgie. Es ist unsere sichere Hoffnung, dass unser Erlöser lebt, auch wenn zwischen Geburt und Auferstehung, auch bei uns, ein langer Weg - oftmals durch das finstere Tal und hinauf bis ans Kreuz - liegt. Daran darf (und will?) uns sicher auch eine solche satirisch-lustige Weihnachtsgeschichte erinnern.


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