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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Die Grundsatzfrage

Welchen Gott wollen wir?
 

26. Juni 2020

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„Da streiten sich die Leut herum / oft um den Wert des Glücks, / der eine heißt den andern dumm, / am End weiß keiner nix.“

Wer von uns älteren Semester erinnert sich nicht an dieses alte Wienerlied. Es wurde früher oft bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit gesungen. Mir kam es wieder in den Sinn im ganzen Streit um die neue Instruktion des Vatikans ‚Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche‘. Da streitet man sich über alles und jedes. Doch ich werde den Eindruck nicht los, das seien einfach Stellvertreterkriege, weil noch fast niemand es wagt die Grundsatzfrage aufzuwerfen. Dabei ist doch jedem aufmerksamen Beobachter klar, dass es nur vordergründig um strukturelle und organisatorische Fragen geht. Zutiefst stehen sich hier zwei grundverschiedene Auffassungen nicht einmal nur von Kirche gegenüber. Es sind zwei diametral entgegengesetzte Gottesbilder, die hier aufeinander prallen.

Die Frage, welche sich immer mehr aufdrängt, ist nun: Welchen Gott wollen wir, jenen unserer Vorfahren, welcher uns entgegen tritt mit seinem Anspruch: „Ich bin der Herr, dein Gott, du sollst …“ oder jenen des moralistisch-therapeutischen Deismus, „dem es nicht so wichtig ist, ob wir uns um ihn kümmern oder nicht. Wenn wir es wollen, hilft er uns, aber sonst dürfen wir tun und lassen, was sich gut anfühlt?“ Den Gott unserer Vorfahren haben wir mit dem Hammer der „Drohbotschaft“ ausgeschaltet. Den Gott des MTD wagen wir noch nicht offen zu bekennen, weil wir im Innersten spüren, dass da etwas nicht stimmen kann, dass das ein Wunschgott ist, aber niemals ein wahrer Gott, ja nicht einmal eine wirklich ernst zu nehmende höhere Macht.

Unsere Verkündigung versucht heute den Spagat zwischen diesen beiden Weltanschauungen. Dabei verwickelt sie sich immer wieder in Widersprüche. Immer wieder spürt z.B. der bewusst mitfeiernde Gläubige einen mehr oder weniger eklatanten Widerspruch zwischen der Homilie und den offiziellen Texten der Liturgie. Dann aber wird ihm auch klar, weshalb letztere heute so häufig verändert, „verbessert“ werden, weshalb es so oft zu Eigenwilligkeiten im ganzen heiligen Geschehen der Heiligen Eucharistie kommt, ja, weshalb man den Begriff „Messopfer“ meidet wie der Teufel das Weihwasser.

Und mit alledem hofft man, die Kirche für die Menschen von heute wieder attraktiv machen zu können. Dabei haben wir doch alle schon längt genug von jener Informationsflut, bei der man nicht mehr weiss, was nun stimmt und was nicht mehr, was nun wahr ist und was reine Fantasie, Wunschdenken oder gar Manipulation. „Euer Ja sei ein Ja, euer Nein ein Nein“ (Mt 5,37) sagt der Herr. Man möchte anfügen: „Euer Gott sei Gott, der Herr! Ihm gehöre unsere ganze Liebe, so wie er es im ersten und wichtigsten Gebot von uns erwartet. (vgl. Lk 10,27) Dann wird euch alles andere hinzugegeben werden. (Lk 12,31)


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