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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Drei Wesen in einer Person?

Wenn die Formulierungen der Kirche nicht mehr genügen

1. Juni 2015

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Ich glaubte schlecht zu hören, als der Aushilfspriester in der Vorabendmesser des Dreifaltigkeitssonntags von der Heiligsten Dreifaltigkeit als von drei Wesen in einer Person sprach. Zuerst dachte ich an einen irgendwie entschuldbaren Versprecher. Als aber in der Sonntagspredigt Hochfestes die gleichen Worte fielen, da fragte ich mich doch ernsthaft, was da los sei. Dabei fiel mir dann ein, dass dieser Priester in der Vorabendmesser nicht jene Präfation gewählt hatte, die eigentlich zu diesem Fest gehört, die früher jeden Sonntag gesungen wurde, und in der es unter anderem (in der Übersetzung in meinem "Bomm") heisst: „nicht in der Einheit nur einer Person, vielmehr in der dreipersönlichen Einheit des Wesens“. Spätestens dann hätte er doch seinen Versprecher bemerken und im Predigttext für den Sonntag ändern müssen. Doch auch im Sonntagsgottesdienst betete er eine Präfation, die mir unbekannt vorkam und die sich nicht direkt auf den Festgedanken bezog.

Dabei kenne ich diesen Priester als einen tief gläubigen Menschen. Es war sicher nicht seine Absicht, die Lehre der Kirche zu verändern. Eine Schwäche aber war mir bei ihm schon mehrfach aufgefallen. Er liebt es, die liturgischen Texte ein wenig zu „verbessern“. So hoffe ich denn, dass er den Fehler in seiner Predigt bemerken und daraus lernen werde, dass die liturgischen Texte wohl durchdacht sind, und dass „Verbesserungen“ daran immer die Gefahr beinhalten, die Wahrheit nicht einfach nur anders, sondern plötzlich etwas ganz anderes zu sagen. Und wenn dieser Vorfall auch andere Priester und Theologen dazu führt, sich zu überlegen, ob sie ihre Arbeit nicht einfacher und erst noch besser, für die Gläubigen weniger verwirrlich, machen könnten, wenn sie sich mehr an den Sprachgebrauch der Kirche halten würde, so hat Gott wieder einmal auf krummen Linien gerade geschrieben.



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