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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Damit die Menschen den Glauben finden

Gedanken zu einer Fürbitte
 
09. Dezember 2019
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  An einem schweizerischen Wallfahrtsort liegt ein Flyer für die Monatswallfahrt auf. Das Motte für das Jahr 2020 lautet: «Beten, dass die Menschen wieder zum Glauben finden.» Ja, das Anliegen ist wirklich dringend. Der allgemeine Glaubensschwund ist unübersehbar. Und nicht erst, wenn wir nicht mehr weiter wissen, ist auch hier das Gebet die wichtigste und erfolgversprechende Waffe für uns Christen.

Doch das Gebet, das der Herr von uns erwartet, ist nicht einfach Bettelei. Manchmal denke ich mir, der erste Zweck unseres Bittgebetes sei es, zu überlegen und Gott zu fragen, was er in der konkreten Situation von uns, von mir erwartet, was meine Aufgabe und/oder Haltung sei, damit seine Gnaden überhaupt bei mir, bei uns ankommen können. Gott könnte uns ja alles bedingungslos schenken, was wir brauchen, sogar bevor wir überhaupt wissen, was wir brauchen. In seiner Allwissenheit und seiner Allmacht wäre ihm das problemlos möglich. Er ist nicht auf unser Gebet angewiesen. Aber er will, dass wir beten. Er will sozusagen nichts ohne uns tun. Er will unseren freien Willen, unsere Liebe zu ihm und unsere Dankbarkeit. Deshalb mahnt uns der Völkerapostel: «Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und flehend eure Bitten mit Dank vor Gott!» (Phil 4,6)

Wen wir nun auf dieses Wallfahrtsmotto zurück kommen, so glaube ist, das erste, was wir uns fragen müssten, sei: Wo steht mein Glaube. Einerseits, wo steht mein Glaubenswissen? Wie gross sind da die Lücken? Wie wenig bemühe ich mich, diese zu füllen? Und andererseits, wie fest steht mein Glaube? Hält er den Stürmen und Krisen in meinem Leben, aber auch in Kirche und Welt, stand? Bin ich wirklich bereit zu sagen: «Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben!» (Mk 9,24) Bin ich wirklich bereit auch dort noch zu glauben, wo ich nicht mehr verstehe, wo auch ich sagen muss: «Doch wenn du es sagst, …» (vgl Lk 5,5)

Und dann steht andererseits auch das andere Wort des Apostels im Raum: «Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht; weise zurecht, tadle, ermahne, in unermüdlicher und geduldiger Belehrung.» (2.Tim 4,2) Dabei denken wir aber meist zuerst an die anderen, an unsere Hirten und Theologen. Und das nicht ganz grundlos. Die Verkündigung, welche wir heute vielerorts erleben, ist oft sehr einseitig, weicht den «gefährlichen» Aussagen aus, lässt beiseite, was anstossen könnte und spricht des Langen und Breiten über das, «was den Ohren schmeichelt». (vgl. 1 Tim 4,1)

Doch auch hier: Einerseits akzeptieren wir es, wenn einmal jemand Klartext spricht, zum Beispiel Sünde, Hölle und dergleichen ins Spiel bringt? Tolerieren wir es, wenn jemand uns ins Gewissen redet und unmissverständlich sagt: «Lasst euch mit Gott versöhnen!»? Und andererseits, haben wir den Mut selber zu unserem Glauben zu stehen, zum ganzen, ungeschönten Glauben unserer Kirche? Oder sind wir nicht meist genau so feige wie alle anderen, wenn jemand uns «nach der Hoffnung fragt, die uns erfüllt» (1.Petr 3,15)?

Beten wir, dass die Menschen wieder zum Glauben finden, und tun wir alle das, was unser Auftrag ist, was in unseren Kräften liegt. Dann wird Gott mit seiner Gnade und seiner Kraft mit uns sein.


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