9


Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

Alle Texte sind im Menu links aufrufbar

Wiederverheiratete Geschiedene

was heisst das überhaupt

08. Januar 2017

Aphorismen
Gedanken-
splitter

Gedanken-
splitter Archiv

vernachlässigte Aspekte
vernachlässigte Aspekte Archiv
Weihnachts-
geschichten






Wer die ganze Diskussion um AL und die wiederverheirateten Geschiedenen ein wenig verfolgt, der hat oft den Eindruck, als seien die wiederverheirateten Geschiedenen die bedauernswertesten Geschöpfe dieser Welt. Nun, was sind überhaupt jene wiederverheirateten Geschiedenen, um welche sich die Diskussion dreht. Es sind Menschen, welche in einer zivilrechtlich geschlossenen Ehe leben, obwohl bereits, und immer noch, eine gültige, sakramental geschlossene Ehe besteht. Niemand wird leugnen, dass es darunter tragische Fälle gibt, welche eine solche „Ehe“ eingegangen sind, weil sie keinen anderen Ausweg aus ihrer Not mehr sahen. Dies dürfte aber nicht die Mehrheit sein.

Doch was bedeutet das letztendlich, wenn eine solche „Ehe“ eingegangen wird. Zum einen ist dies die Leugnung der Unauflöslichkeit der Ehe, es sei denn man erachte die Polygamie als eine unter Umständen sittlich zu rechtfertigende Lebensform. Zum zweiten ist eine solche Eheschliessung das endgültige Nein zum rechtmässigen Partner, die definitive Verweigerung der Möglichkeit einer Versöhnung. Des Weiteren kommt dieser Schritt sehr oft dem Anspruch auf ein Recht auf Sex gleich. Und nicht zuletzt ist er die Weigerung, sich dem Willen Gottes auch dort zu unterwerfen, wo dies als zu schwer, aus der aktuellen Situation heraus vielleicht sogar unmöglich erscheint.

Dazu kommt, dass all das nicht einfach im stillen Kämmerlein geschieht, sondern öffentlich, sozusagen „amtlich beglaubigt“. Das macht daraus ein öffentliches Ärgernis und ein Präzedenzfall, eine Verführung anderer, welche charakterlich noch zu wenig gefestigt sind, um der Versuchung zu widerstehen.

Wenn wir nun noch bedenken, dass jede Sünde eine Beleidigung Gottes, unseres liebenden Vaters ist, jede schwere Sünde aber unsere Beziehung zu ihm so schwer stört, dass unser ewiges Leben einst bei ihm ernsthaft gefährdet wird, dann fragt sich schon, ob wir die Barmherzigkeit Gottes mit einem Leben in diesem Zustand nicht allzu sehr strapazieren. Gott ist die Liebe. Das einzige, was er dafür von uns erwartet, ist unsere Liebe, eine Liebe, welche auch dann nicht kapituliert, wenn wir seine Entscheide nicht begreifen, wenn wir seine Ansprüche an uns vielleicht als unmöglich empfinden. Und nur so nebenbei frage ich mich, ob nicht viele Ehen nicht gescheitert wären, wenn eine solche Liebe auch in der Beziehung zum Partner geübt worden wäre, einfach deshalb, weil Gott uns alle liebt.



********


Home
weitere Texte
Archiv
nach oben