Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

Alle Texte sind im Menu links aufrufbar


Worte des ewigen Lebens

  Joh 6,60-62 ; 66-69
 
Wollt auch ihr gehen?

27. Oktober 2020
Gedanken-
splitter Archiv

Aphorismen
Gedanken-
splitter

vernachlässigte Aspekte
vernachlässigte Aspekte Archiv
Weihnachts-
geschichten






Viele seiner Jünger, die ihm zuhörten, sagten: Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören? Jesus erkannte, dass seine Jünger darüber murrten, und fragte sie: Daran nehmt ihr Anstoss? Was werdet ihr sagen, wenn ihr den Menschensohn hinaufsteigen seht, dorthin, wo er vorher war?  …    Daraufhin zogen sich viele Jünger zurück und wanderten nicht mehr mit ihm umher. Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt auch ihr weggehen? Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.

Wenn heute viele Menschen der Kirche - aus den verschiedensten Gründen - davon laufen, so ist das nicht Neues. Schon unserem Herrn liefen viele davon, als er Dinge sagen musste, die «unerträglich» waren. Auch die Kirche aller Zeiten, und besonders heute, musste und muss immer wieder Dinge sagen und verkünden, die man «heute nicht mehr anhören kann», beziehungsweise will. Interessant an unserer Schriftstelle ist, dass der Herr nicht sagte: «Bitte, bleibt doch bei mir. Ich habe euch ja so lieb. Das war nicht so gemeint. Habt nur Geduld. Wir werden miteinander eine bessere, eine heile Welt schaffen.» Im Gegenteil. Er fragte die Jünger, also auch an uns heute, war ganz einfach: Wollt auch ihr gehen? Die Menschen von damals haben verstanden, was gemeint war: «Bitte, ihr seid freie, mündige Menschen. Wenn ihr glaubt so etwas auch ohne mich schaffen zu können … Ich halte euch nicht zurück.» Viele zogen sich zurück und wanderten nicht mehr mit ihm.

Für alle aber, welche geblieben waren, antwortete Petrus: «Zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens?» Auch diese hatten es nicht einfach. Auch sie begriffen längst nicht alles, was ihr Meister sagte. Aber auch wenn der Herr erst später vor Pilatus bekennen wird: «Mein Reich ist nicht von dieser Welt.» so hatte sie doch begriffen, dass für Jesus nur «eines notwendig war; sucht zuerst das Reich Gottes und seine Gerechtigkeit». Und sie waren Realisten genug um zu wissen, dass es das Böse in der Welt und auch im eigenen Leben gab, dass mit Geld und irdischer Macht diese nicht zu verbessern war, dass menschliche Gerechtigkeit die Sehnsucht nach wahrer Gerechtigkeit nie würde erfüllen können, dass es da noch etwas anderes geben musste. Und sie hatten aufmerksam genug zugehört um die laufenden Hinweise des Herrn in Bezug auf das ewige Leben als das Entscheidende an seiner Botschaft zu verstehen. Sie waren zum Glauben gekommen und hatten erkannt: Dieser ist der Heilige Gottes.

Ja, das ewige Leben. Der Mensch von heute hat ein sehr zwiespältiges Verhältnis dazu. Auf der einen Seite ist und bleibt es etwas, das alle gerne haben möchten. Auf der anderen Seite ist es etwas, das im täglichen Leben eigentlich keine Rolle spielt, sondern eher stört. «Alle Menschen, die im Leben Gutes tun, werden nach ihrem Tod in den Himmel kommen. Die anderen werden gar nichts mehr mitbekommen.» Dieser fünfte Glaubenssatz des moralistisch-therapeutischen Deismus ist – wenn auch oft ganz unbewusst – schon viel weiter verbreitet als man denkt, bis hinein in unsere Kirche. Und unsere Theologie und Verkündigung realisiert das kaum, oder ist nicht bereit den Kampf gegen diese Irrlehre aufzunehmen. Eng damit verknüpft ist der vierte Satz dieser neuen Lehre. (Welcher von beiden zuerst war, darüber lässt sich streiten) «Gott ist es nicht so wichtig, ob wir uns um ihn kümmern oder nicht. Wenn wir es wollen, hilft er uns, aber sonst dürfen wir tun und lassen, was sich gut anfühlt.

Das ewige Leben aber, das der Herr uns verkündet hat, erinnert uns daran, dass wir nicht einfach tun und lassen können, was sich gut anfühlt, dass es eine letzte Instanz gibt, vor welcher wir selbst «jedes unnütze Wort» zu verantworten haben. (Mt 12,36) Das könnte uns erschrecken. Unser Glaube aber lehrt uns, dass Gott einerseits absolut gerecht ist. Er kennt die Umstände, die Ursachen und die Ursachen der Ursachen von allem und die Absicht dahinter. Er kann und wird das alles bei seinem Urteil berücksichtigen und ein Urteil fällen, das gerechter ist als je ein menschliches Urteil sein kann. Andererseits ist Gott auch absolut barmherzig. Wie das genau zusammen funktioniert übersteigt unsere menschlichen Fähigkeiten. Ein Vergleich kann es ein wenig erhellen. In unserem menschlichen Gerichtswesen kennen wir die Möglichkeit der Begnadigung. Ich glaube, wir Menschen haben in jeder Situation immer wieder die Möglichkeit, Gott ein Gnadengesuch zu stellen. Er wird es annehmen, sofern wir dies ehrlichen, reumütigen Herzens tun.

Damit – und selbstverständlich mit dem Glauben an ein ewiges Heil und Glück, wie es uns diese Welt nie zu schenken vermag - wird uns der Gedanke an das ewige Leben ein Wegweiser, ein erstrebenswertes und erreichbares Ziel unseres Lebens. So können wir unseren Weg durch dieses Leben, was immer auch kommen mag, voll Zuversicht und damit «in Freude in allem Leide» wie wir in einem alten Kirchenlied singen, gehen. Vom ewigen Leben her begleiten uns Gott selbst, unser Vater, und unser Erlöser Jesus Christus, zusammen mit dem Heiligen Geist. Wir brauchen keine Angst zu haben. Nur fahrlässig sollten wir nicht werden. Gottes Gebot und seine Warnungen sind immer zu unserem Heil gegeben. Und insbesondere sollten wir auch nie vergessen, nötigenfalls Gott unser Gnadengesuch – wo möglich in einer guten Heiligen Beichte, wo dies nicht möglich ist in einem bestmöglichen anderen Reueakt zu unterbreiten.

******



Home
weitere Texte
Archiv
nach oben