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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Wortgottesfeier

eucharistische Gastfreundschaft
 
16. November 2019
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In unserem Pfarrblatt werden wir für diesen Sonntag eingeladen zu einer Wortgottesfeier mit Kommunion. (Dass an diesem Sonntagmorgen zwei Priester in unserer Pfarrei anwesend sind, jener der Missione Italiano und jener der Misssion Espganola, geht ebenfalls aus dieser Publikation hervor. ) Mit scheint dies eine verräterische Sprache.

Vor einiger Zeit wurden in solchen Fällen noch Wortgottesdienste angekündigt. Hat man unterdessen vielleicht begriffen, dass man von Gottesdienst eigentlich nur dann sprechen sollte, wenn man sich dabei redlich bemüht so zu handeln, dass «mein und euer Opfer Gott, dem allmächtigen Vater gefalle» wie es in einem Hochgebet heisst? Doch was heisst das eigentlich «Wortgottesfeier»? Nach meinem Sprachempfinden wird dabei das Wort Gottes gefeiert. Ist es aber nicht so, dass wir das, was wir normalerweise Wort Gottes nennen, nicht zu feiern brauchen. (Etwas anders ist es, wenn wir mit Wort Gottes Christus selbst, unseren Herrn und Erlöser meinen.) Wir müssen es nur hören, dankbar annehmen und dann auch befolgen.

Überhaupt scheint das Feiern immer mehr zu einem der zentralen Inhalte unseres Glaubens zu werden. Fehlt nur noch, dass wir schlussendlich am Karfreitag eine Kreuzesfeier veranstalten. Natürlich kann Feiern in diesem Zusammenhang auch richtig verstanden werden, als einen liturgischen Akt in welchem Gott im Zentrum steht, nicht der Mensch, wo es um SEIN Lob und SEINE Ehre geht, nicht zuerst um unser Wohlbefinden, nicht um so etwas wie eine psychologische und/oder moralische Aufrüstung. Aber nach meinen Beobachtungen rückt letzteres immer mehr in den Vordergrund dessen, was man heute christlich nennt.

In unserer modernen Welt ist Dienen nicht mehr IN. Wird deshalb das Wort Gottesdienst immer mehr verdrängt? Sicher. Gott hat unseren Dienst nicht nötig. «Uns aber bringt es Segen und Heil» um nochmals ein Hochgebet zu zitieren. Wenn wir uns als «Diener des höchsten Gottes» verstehen, fällt es uns doch viel leichter seine Gebote zu halten. Das aber wiederum führt zu einer Haltung, wo wir uns auch als Diener unserer Nächsten verstehen lernen, Diener im Auftrag unseres gemeinsamen Herrn, und deshalb im Wissen, dass das Reich Gottes, das wir erwarten, dort entsteht und besteht, wo Gottes Wille geschieht.

Es gäbe noch viel zu sagen. Aber wenn wir unserem Ausgangspunkt zurück kehren, dann wird doch klar, dass das Heilige Messopfer durch nichts zu ersetzen ist. Alles andere sind Zugaben oder Notlösungen. Aber dort, wo der unfassbare Erlösungsdienst unseres Herrn vergegenwärtigt wird, hat alles andere zurück zu treten, also auch unsere persönlichen Differenzen und Präferenzen. Dann aber drängt sich die Frage auf, wie es in unserer katholischen, allumfassenden Kirche überhaupt mögliche ist, dass eine bestimmte Gruppe einer anderen nicht eucharistische Gastfreundschaft gewährt, wenn dies nötig und möglich ist.


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