Vernachlässigte Aspekte - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Wozu diese Verschwendung?

  Mk 14,3-9
 

Nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt

13. Juli 2017
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Als Jesus in Betanien im Haus Simons des Aussätzigen bei Tisch war, kam eine Frau mit einem Alabastergefäß voll echtem, kostbarem Nardenöl, zerbrach es und goss das Öl über sein Haar. Einige aber wurden unwillig und sagten zueinander: Wozu diese Verschwendung? Man hätte das Öl um mehr als dreihundert Denare verkaufen und das Geld den Armen geben können. Und sie machten der Frau heftige Vorwürfe. Jesus aber sagte: Hört auf! Warum lasst ihr sie nicht in Ruhe? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn die Armen habt ihr immer bei euch und ihr könnt ihnen Gutes tun, so oft ihr wollt; mich aber habt ihr nicht immer. Sie hat getan, was sie konnte. Sie hat im voraus meinen Leib für das Begräbnis gesalbt. Amen, ich sage euch: Überall auf der Welt, wo das Evangelium verkündet wird, wird man sich an sie erinnern und erzählen, was sie getan hat.

Was unser Heiliger Vater und wir alle gerne vergessen, ist Vers 14,7 im Markusevangelium: „Denn die Armen habt ihr immer bei euch und ihr könnt ihnen Gutes tun, so oft ihr wollt; mich aber habt ihr nicht immer.“ Das ist doch eine ganz klare Absage an den sozialistischen Wahn, eine heile Welt hier und jetzt zu schaffen zu können, und ein klarer Hinweis darauf, dass all unsere guten Werke zwar richtig, und notwendigerweise zum unserem Glauben gehören, aber nicht das Zentrale, das Entscheidende an ihm sind. Ich bin versucht zu sagen, das Fehlen der Werke zeuge einfach davon, dass unsere Beziehung zu Gott noch nicht vollkommen ist. Vielleicht, weil wir uns und unser eigenes Heil, das irdische oder das ewige, zu stark in den Vordergrund stellen. Vielleicht, weil wir irgendwie unbewusst glauben, Gott würde dann schon alles erledigen, was er uns als Aufgabe mit auf den Weg gegeben hat. Vielleicht auch weil wir - auch das oft unbewusst - meinen, Gott bräuchte unsere Beziehung, unsere Anbetung, unseren Dank und unsere Liebe doch gar nicht (was natürlich theologisch irgendwie stimmt, aber „uns bringt es Segen und Heil“, wie wir in der Liturgie beten). Das alles hindere uns nur daran an einer besseren Welt zu arbeiten, oder - um es in der Sprache dieser Schriftstelle zu sagen - das alles sei nur eine Verschwendung unserer Kräfte und Mittel angesichts der dringenden Probleme dieser Welt.

Sie hat ein gutes Werk an mir getan. … Sie hat getan was sie konnte.“ sagt Jesus von der Frau. Zweierlei lese ich aus diesen Sätzen. Einerseits will Gott immer und überall den Vorrang haben, auch bei unseren Werken. Andererseits erwartet Gott von uns, dass wir das tun und richtig tun, was wir können. Jedem von uns hat er Fähigkeiten geschenkt, dem einen diese, dem anderen jene. Nicht wenn wir das tun, was wir glauben, dass es nötig sei, sondern wenn wir, jeder an seinem Platz, treu und bescheiden jene Aufgabe erfüllen, die Gott uns zugeteilt hat, wächst das Reich Gottes.

Mich aber habt ihr nicht immer.“ Heisst das nicht auch: „Suchet zuerst das Reich Gottes, suchet mich, suchet meinen Willen, meine Gerechtigkeit, meinen Frieden? Alles andere wird euch hinzu gegeben werden.“ (vgl. Mt 6,33) Nur eine solche umfassende, weder einseitig diesseitige noch einseitig jenseitige und vertrauensvolle Suche nach Gott und seinem Reich schenkt uns schlussendlich jenen Frieden und jene Gerechtigkeit, welche die Welt nicht geben kann. (vgl Joh 14,27) Das ist die frohe Botschaft, die wir überall auf der Welt verkünden sollen und dürfen.



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