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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Wozu brauchen wir Gott?

Unsere Heiligkeit
 

07. August 2020

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Im alten Katechismus lautete die erste Frage: „Wozu sind wir auf Erden? “ Und die Antwort war: «Um Gott zu dienen und einst in den Himmel zu kommen.“ Der neue YOUCAT antwortet auf die gleiche Frage: „Wir sind auf Erde, um Gott zu erkennen und zu lieben, nach seinem Willen das Gute zu tun und eines Tages in den Himmel zu kommen. “ Die Frage aber, welche der sich der Mensch von heute zuerst stellt, lautet meist: „Wozu brauchen wir Gott?“ Und die Antwort, welche der moderne moralistisch-therapeutische Deismus bereit hält ist sehr einfach: „Gott ist es nicht so wichtig, ob wir uns um ihn kümmern oder nicht. Wenn wir es wollen, hilft er uns.“

Es ist eine interessante Entwicklung im Bewusstsein des Menschen. Zuerst war da ein Gott, dem wir zu dienen hatten. Dann kam ein Gott, nach dessen Willen wir das Gute tun sollen. Und nun schleicht sich immer mehr jener Gott ein, der uns zu dienen hat. Immer gleich bleibt dabei das Endziel, der Himmel. Früher war das jeder Anstrengung wert. Dann kam immer mehr jener Gott, dessen Liebe und Barmherzigkeit gar nicht anders kann, als uns in diesen Himmel zu führen. Aus dieser Sicht wurde dann jenes irdische Heil aller Menschen immer wichtiger, an welchem wir zu arbeiten haben. Da aber immer mehr erkannt wird, dass ein solches weitgehend eine Illusion oder zumindest nicht so schnell erreichbar ist, hängen viele heute einem Gott an, bei dem wir „tun und lassen können, was sich gut anfühlt.“

„Was nützt es mir?“ In unserer immer egozentrischer werdenden Welt wird dies immer mehr zur zentralen Frage des Lebens. Natürlich denken noch sehr viele über das eigene Ich hinaus, sehen deutlich, dass wir Menschen aufeinander angewiesen sind, dass wir auch auf die Natur angewiesen sind etc. Aber das Grundmotiv unseres Handelns ist und bleibt dabei oft das eigene Ich, das eigene Wohlbefinden. Dafür muss man zwar Konzessionen machen, gewisse Grenzen in Kauf nehmen. Aber besonders sollten auch alle anderen Konzessionen machen und gewisse Grenzen in Kauf nehmen, besonders jene Grenzen, welche mir am meisten nützen.

„Was nützt es mir?“ Dass in einer solchen Welt auch die Gottesfrage oft von diesem Standpunkt aus angegangen wird, ist nichts als logisch. Viele antworten darauf: „Gott bringt mir nichts. Also existiert er nicht.“ Andere sagen: „Man kann nichts (genaues) über jene höhere Macht wissen, die wir Gott nennen. Also bringt wenig bis nichts, sich um ihn zu kümmern.“ Und eine weitere Gruppe meint: „Ja, es gibt diesen Gott, der bei mir ist, der für mich da ist, der mir hilft, wenn ich ihn brauche, bei dem ich mich wohl fühle. Das ist es, was ich brauche. Deshalb brauche ich Gott.“

Die Katechismusfrage meiner Jugend aber hat eine andere Stossrichtung. Sie lautet im tiefsten Grund: “Wozu hat Gott uns Menschen geschaffen?“ oder anders ausgedrückt: „Wozu „braucht“ Gott uns Menschen?“ Die Antwort ist: „Um ihm zu dienen.“ Was das im konkreten Alltag heisst, drüber sind schon ganze Bücher geschrieben worden. Das ist von Mensch zu Mensch verschieden. Allen gemeinsam aber ist, dass wir zur Heiligkeit berufen sind, zu jenem Zustand, den wir vor der Erbschuld hatten und einst in der ewigen Heimat wieder haben werden. Den Weg dazu hat uns Christus der Herr durch sein Kreuz wieder geöffnet. An uns ist es, diesen zu gehen, mit seiner Hilfe, in Glaube, Hoffnung und Liebe, kurz in jener Liebebeziehung, welche Gott uns anbietet und auf welche wir mit unserer Liebe, „mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all unseren Gedanken“ (Mt 22,37) antworten sollen. „Heiligkeit ist tiefe Beziehung zu Gott, ein wunderbares und unergründliches Zusammenspiel von Gott und Mensch, von Gnade und Bemühen“ solange wir hier auf Erden leben. Damit dieses Bemühen gelinge, dazu brauchen wir Gott.


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