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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Wozu sind wir auf Erden?

Für mich?
21. Januar 2018
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„Wozu sind wir auf Erden?“ Auf diese Frage hätten die meisten der praktizierenden Katholiken meiner Jugendzeit ganz automatisch geantwortet: „Wir sind auf Erden um Gott zu dienen und einst in den Himmel zu kommen.“ Der Katechismus der Katholischen Kirche formuliert in Art. 358 „Gott hat alles für den Menschen erschaffen, aber der Mensch selbst ist erschaffen worden, um Gott zu dienen, ihn zu lieben und ihm die ganze Schöpfung darzubringen.“ Der Unterschied liegt in der Frage nach dem letzten Ziel des Menschen. Ich gehe davon aus, dass dies anderer Stelle der KKK behandelt wird. Warum dies so ist, ist mir nicht klar.

Ähnlich ergeht es mir, wenn sich mir die Frage stellt: „Wozu ist Gott eigentlich Mensch geworden?“ „Für uns Menschen und um unseres Heiles willen“ beteten bzw. sagen wir früher jeden Sonntag im CREDO. Das apostolische Glaubensbekenntnis, welches wir heute meist benutzen, antwortet auf diese Frage nicht explizit. In der Verkündigung tönt es dann meist so, als sei Jesus Mensch geworden, um mit uns und bei uns zu sein, um uns die grosse Liebe des Vaters zu zeigen. Das ist sicher nicht falsch. Aber dafür hätte es des Kreuzes Christi nicht bedurft. Und tatsächlich wird dieses heute auch oft nur erwähnt, wenn es nicht anders geht.

Wenn wir nun Gott fragen würden, wozu er uns und dieses ganze Universum eigentlich geschaffen habe, so könnte ich mir vorstellen, dass er kurz und bündig sagen würde: „Für mich!“ Nein. Gott ist kein Egoist. Er ist in seinem dreifaltigen Wesen Gemeinschaft. Dieses „für mich“ heisst also: „für uns!“ Und auch das dürfen wir nicht „egoistisch“ verstehen. Dieses „uns“ umfasst - ich weiss nicht mehr, wo ich dies jüngst einmal gelesen habe - auch uns, uns Menschen und alle anderen Geschöpfe, welche aus freiem Willen in eine Liebesbeziehung zu Gott treten können. Gott will eine solche Gemeinschaft auch mit uns. Dazu hat er uns geschaffen. Als wir aber diese Gemeinschaft in der Erbschuld verloren hatten, da „sandte Gott seinen Sohn“, um uns am Kreuz wieder mit ihm zu versöhnen, um uns so diese über unseren Tod hinausgehende Gemeinschaft mit ihm wieder zu ermöglichen. Dazu ist Christus Mensch geworden. Dazu will er nun bei uns und mit uns sein auf unserem Weg. Dazu sind wir auf Erden, nicht einfach nur für uns oder schon gar für mich selber, sondern für diese allumfassende Gemeinschaft, in welcher Gott das Zentrum ist, „jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.“

Ich glaube, wenn einst der Paradigmenwechsel in unserer Kirche, zu welchem es noch viel zu sagen gäbe, wieder in diese Richtung zu laufen beginnt, wird diese schnell wieder zu neuer Blüte erwachen.


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