Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Ich sehe das anders  

menschzentriert oder christuszentriert

13. September 2014

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„Der Umgang mit der Eucharistie steht im Zentrum der Krise. Das sagt auch das Konzil. Aber die Kirchenleitung stellt offenbar das Zölibatsgesetz über diese Einsicht, so dass mehr als die Hälfte nicht regelmässig Eucharistie feiern kann.“ So schrieb jüngst ein Kirchenkritiker. Ich sehe das anders.

Die Kirche betont mit dem Zölibat unter anderem den überragenden Wert der Eucharistie, des Heiligen Messopfers, der Erlösungstat Christi, der realen Gegenwart unseres Herrn unter den Gestalten von Brot und Wein. Sie betont damit die christozentrierte Ausrichtung Ihrer Lehre und ihrer Liturgie. Sie sieht, nach meinem Gefühl je länger je mehr wieder, dass die Priesterberufungen in einer direkten Abhängigkeit von der gläubigen Wertschätzung dieses zentralen Sakramentes stehen. Attraktiv ist dieser Dienst nämlich nicht durch seine Funktionen als Gemeindeleiter etc., seine soziale Stellung und sein Gehalt, sondern von der göttlichen Vollmacht her, die damit verbunden ist. Doch nur aus einer tiefen, persönlichen Beziehung zu Gott ist diese Berufung und die damit verbundene Verpflichtung, nicht aus eigener Vollmacht und Weisheit zu handeln, sondern in der Person Christi, nicht befriedigend lebbar - ob mit oder ohne Zölibat ist dabei nicht entscheidend, auch wenn der Zölibat eine starke Stütze dieser Beziehung ist.

Auf der anderen Seite geht heute, gerade diese christozentrierte Ausrichtung der Kirche immer mehr verloren, bzw. wird sie verdrängt durch ein antropozentriertes Kirchenverständnis, das Gott zum nützlichen Helferlein degradiert, das da zu sein hat, wenn wir es bauchen, das wir aber beiseite stellen, sobald Gott uns entgegentritt mit dem Anspruch: "Ich bin der Herr, dein Gott!" Hier geht die Kirche einer Zerreissprobe entgegen. Hier droht eine neue Kirchenspaltung in eine Kirche als menschliche Gemeinschaft, die sich auf das Heil des Menschen hier und jetzt konzentriert, und eine andere, die sich als die Kirche unseres Herrn Jesus Christus versteht, deren Haupt Gott selbst in seinem Sohn ist, eine Kirche die glaubt, dass dieses Heil hier und jetzt nur soweit gelingt, als jeder Einzelne ein besserer Mensch, ein Geheiligter, ein Erlöster wird. "Erlöster sollten sie aussehen diese Christenmenschen!" Ich glaube es war Nietzsche, der dies sagte. Und nicht nur erlöster aussehen sollten wir Christen alle, um glaubwürdig die Botschaft vom Reich Gottes zu verkünden. Wir sollten es auch sein. In Christus, in seinem Kreuz und seiner Auferstehung, haben wir diese Erlösung. An uns ist es, sie anzunehmen, und nicht zu glauben, wir könnten uns an den eignen Haaren aus dem Sumpf ziehen.


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