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Gedankensplitter - Einzeltext
Stefan Fleischer

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Zu lieben, was Gott gebietet

erlangen, was Gott verheissen hat.

23. Oktober 2016

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„Allmächtiger, ewiger Gott, mehre in uns den Glauben, die Hoffnung und die Liebe. Gib uns die Gnade, zu lieben, was du gebietest, damit wir erlangen, was du verheissen hast.“

Wie oft wohl habe ich schon dieses Gebet der heutigen Sonntagsvesper gebetet und mir nichts weiter dabei gedacht? Und warum ist es mir heute derart aufgefallen, dass ich mich hingesetzt und meine Gedanken dazu notiert habe?

„Allmächtiger, ewiger Gott.“ Schon diese Anrede ist heute nicht mehr sehr gebräuchlich. Würde sie nicht in der Liturgie auftauchen, wer würde sie wohl noch gebrauchen? „Mehre in uns den Glauben, die Hoffnung und die Liebe.“ Uns Rosenkanzbetern ist diese Bitte sehr vertraut, allzu vertraut vielleicht, sodass wir uns oft nichts dabei denken. Aber „Gib uns die Gnade, zu lieben, was du gebietest“? Gottes Gebote – und noch mehr die Gebote der Kirche – sind uns doch meist eher lästig als geliebt, schränken unsere Freiheit ein, stehen unserer Selbstverwirklichung im Wege. Es fällt uns oft schon schwer genug, uns daran zu halten. Sie auch noch zu lieben, ist das nicht ein wenig viel verlangt? Das aber will uns immer wieder daran erinnern, wie wichtig die vorangehende Bitte um Glaube, Hoffnung und Liebe ist. Ohne diese Grundtugenden ist das unmöglich. Und diese Grundtugenden sind zuerst einmal Geschenke Gottes, die es dankbar anzunehmen und dann zu pflegen und zu üben gilt. Dann erst können wir langsam in jene Haltung hinein wachsen, in welcher die Liebe zu Gottes Gebote aufzukeimen beginnt, in welcher wir einsehen lernen, dass Gott uns nichts befiehlt weil er das für sich brauchen würde, sondern weil wir dies alles nötig haben, schon jetzt, um eine bessere Welt aufzubauen, um mitzuwirken, damit sein Reich komme, und nicht zuletzt, damit wir „erlangen, was Gott verheissen hat“.

„Erlangen, was Gott uns verheissen hat.“ Das war früher für sehr viele Gläubige ein dringlicher Wunsch, ein Herzensanliegen, und das Bewusstsein, dass dies keine Selbstverständlichkeit, kein Automatismus ist, war praktisch allgemein anerkannt. Heute scheint der moderne Christ damit ein Problem zu haben. Läuft nicht die Verkündigung darauf hinaus, dass immer mehr Menschen sich in Bezug auf die letzten Dinge keine Gedanken mehr machen? Scheint nicht für viele Gottes Liebe und Barmherzigkeit ein Rechtsanspruch zu sein? Gibt es so etwas wie eine Gerechtigkeit Gottes noch, es sei denn, wir bräuchten sie um zu unserem eigenen Recht zu kommen? „Herr, schaffe mir Recht gegen meine Feinde“, das geht uns leicht über die Lippen. „Herr, Dein gerechter Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden“ was das für uns selber bedeutet, und schlimmstenfalls bedeuten kann, an das zu denken würde uns viel leichter fallen, wenn wir mehr beten würden: „Gib uns die Gnade, zu lieben, was du gebietest.“


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